Terence Chill – Privatsphäre

Terence Chill – Privatsphäre

Was waren das für Zeiten – in die Mythen der Bunkerwelt haben uns damals die Gruppen Creutzfeld & Jakob, Reimwärtz (Dike, Big P, Terence Chill) und OnAnOn (Reimwärtz und DJ Senor Junior) eingeführt. Wenn man bedenkt, dass die genannten Künstler damals wirklich in diesem alten Kriegsbunker “lebten”, kochten, schliefen, aufnahmen und freestylten, bekommt das Ganze einen magischen Flavour mit unglaublicher Produktivität und daraus erlebtem Output. Ich meine, Witten und der Inbegriff des Bunkers haben die deutsche Rapszene weit über den Pott hinaus geprägt. Ebenso brachte man PDNTDR, Uprock oder Deck8 in Verbindung mit der Bunkerwelt.
Ähnliches würde ich auch Royalbunker, der Kolchose, der Mongoclikke und weiteren Crews zusprechen. Da der Alterungsprozess unser allen leider nicht aufzuhalten ist, wir alle nach festen Bindungen streben und uns dann irgendwann lieber mit Fortpflanzung als mit HipHop beschäftigen, ist es eben normal, dass all diese Kollektive in die Geschichte eingegangen sind!

Dass die Bezeichnung Bunkerwelt Witten in all den Charakteren weiterlebt ist ebenso normal wie lobenswert. Und so salutiert Terence Chill mit seinem aktuellen Album “Privatsphäre” unter der Flagge des Bunkers. Auf dem Cover bekommt man den ersten Eindruck des Rap-Allrounders, der mit Cuts, Rappen, Schreiben, Mischen und Geniessen beschäftigt ist!

Ein weiterer Punkt, der im Vorraus anzusprechen wäre, ist die Featureliste, die sich wie in alten Zeiten liest: Flipstar, Lakman, Pahel, Paul, Dike, Rahim und Tom & Neno.
Los geht`s – “Privatsphäre” beginnt mit den Worten: “Once again back it`s the…”. Ja, nach 6 Jahren und seinem letzten Album!

Mit “Chefin” steigt Terence gleich mit einem witzig anmutenden Track über die Chefin ein, wohl basierend auf einer persönlichen Erfahrung. “Wortfetzen” hat Kopfnickcharakter, wobei Paul und Terence gleichermaßen in Sachen Flow und Inhalt überzeugen.
Nächste Anspielstationen sind “Goldig”, “Undankbarer Job” und “Nur Ein Reim”, wobei es für mich erst mit “Es Ist An Der Zeit” mit dem Feature von Flipstar wieder richtig interessant wird. Ein unglaublich tighter Beat, der Wellen schlägt und der Treffsicherheit (ohne zielgerichtet zu sein) von Flipstar perfekt geeignet scheint.

“Ich hab den Bogen raus, die Welt ein großer Lauf,
und diese Schwerkraft zieht dir auch mal die Hosen aus…”

“Es Könnte Schlimmer Kommen” bietet mit dem Latin, Salsa Beat ein von vornherein höheres Tempo. Terence verliert sich nicht in sinnlosen Phrasen und schneidet mehrere Themen an:

“Ich bin so Old School, ich brauch`n Stock,
HipHop und ich fühlen sich wie ein altes Liebespaar,
fast gar nichts ist jetzt mehr, so wie es war,
wir sind erwachsen geworden, was machen wir morgen,
irgendwie liegt es nah, ich mache mir Sorgen…”

Mit “Verrückte Welt” haben wir es noch einmal mit einem treibenden Beat zu tun. Und wie der Titel es vermuten mag, werden gesellschaftliche und soziale Probleme angesprochen.
“Mit Oder Ohne” macht Bock auf Battle-Rap. Und Terence zeigt uns unendlich viele Vergleiche für das Herziehen über den Gegner.

“Tag-Team” mit Pahel. Bei diesem Track löst der Beat in mir ein ungutes Gefühl aus. Zu sehr synthie. Aber vom Text her nicht anzutasten! Ein weiteres Highlight auf der Platte ist das deutsch-polnische Feature mit Rahim und Dike. Der Beat geht als Aushängeschild einer ganzen Ära vorneweg. Macht richtig Spaß den Track zu hören, auch ohne polnisch zu verstehen.

Um zum Abschluss zu kommen, “Wir Sehen Uns” ist dann wohl der persönlichste Track von Terence Chill. Auch der Beat wird von der Thematik eher in der Hintergrund geschoben. Just listen…

Terence Chill bringt uns mit “Privatsphäre” einen Teil der Bunkerwelt zurück in den Laden und die Ohren. Ein abwechslungsreiches Album, das nicht erst durch seine Featuregäste hörenswert wird, dadurch aber mit einem Sternchen (von eins) ausgezeichnet wird. Terence Chill überzeugt durch Charisma, Persönlichkeit und Flow.

JDH

Information

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Year

2011

Number Of Tracks

18

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Additional Information:

Das Album ist auf CD erhältlich und am besten über den Künstler direkt zu beziehen!